Demenz
Eine Demenz (lat. dementia „ohne Geist“) ist ein Defizit in kognitiven, emotionalen und sozialen Fähigkeiten, das zu einer Beeinträchtigung sozialer und beruflicher Funktionen führt und meist mit einer diagnostizierbaren Erkrankung des Gehirns einhergeht. Vor allem sind das Kurzzeitgedächtnis, ferner das Denkvermögen, die Sprache und die Motorik, bei einigen Formen auch die Persönlichkeitsstruktur betroffen. Maßgeblich ist der Verlust bereits erworbener Fähigkeiten im Unterschied zur angeborenen Minderbegabung. Heute sind verschiedene Ursachen von Demenzen geklärt; einige Formen können in gewissem Umfang behandelt werden, das heißt die Symptome können im Anfangsstadium einer Demenz verzögert werden. Die am häufigsten auftretende Form der Demenz ist die Alzheimer-Krankheit.
Nach unseren Beobachtungen an über 200 Patienten mit Alzheimer und frontotemporaler Demenz sowie vaskulärer Demenz zeigten sich sehr positive Effekte. Insbesondere hatte die rTMS bei den meisten Patienten einen günstigen Einfluss auf Sprachfähigkeit, Denkfähigkeit, Konzentration und Aufmerksamkeit sowie allgemeines Wohlbefinden. Es kam zu einem teilweise deutlich gesteigerten sozialen Interesse mit verbesserter Kontaktaufnahmefähigkeit. Die Erfolgsrate liegt hier bei über 80 Prozent. Auch bei leichten kognitiven Störungen (mild cognitive impairment) kann die rTMS einen Übergang in ein dementielles Stadium verhindern oder zumindest verzögern.
Anhand von PET-Untersuchungen konnten die deutlichen Veränderungen des Hirnstoffwechsels schon durch eine Sitzung mit rTMS nachgewiesen werden:
Hier einige Erfahrungsberichte bei unseren Patienten:
1. Behandlung einer Patientin mit schwerer Demenz vom Alzheimer Typ:
Die 63jährige Patientin befindet sich im Endstadium der Demenz vom Alzheimer Typ. Am 3.11.2001 fiel sie bei zunehmender Eintrübung in ein Koma mit Schnappatmung und Bradykardie (Glasgow-Coma-Scale Score: 03). Nach notärztlicher Versorgung mit Ringer-Lösung, Atropin, Akrinor sowie Xylocain i.v. erwachte die Patientin wieder aus dem Koma, blieb aber ohne jedwede verbale Reaktion. In der Folgezeit unterblieb bis auf 1000ml Ringer-Lösung täglich jedwede Medikation. Die Patientin hatte sich seit Sommer 2001 gegenüber der Medikation mit Donepezil und Memantine als therapierefraktär erwiesen.Nach vier Wochen ohne jede verbale Reaktion aber zunehmender psychomotorischer Unruhe erhielt die Patientin im Dezember einige Behandlungen mit rTMS. Als Ergebnis nach drei Stimulationen konnte eine Verringerung der psychomotorischen Unruhe festgestellt werden. Nach weiteren drei Stimulationen begann die Patientin wieder zu sprechen. Es kam dabei zwar anfänglich überwiegend zu Neologismen, Konfabulationen und semantischen Fehlleistungen, jedoch wurden von der Patientin nach und nach auch konkrete Wünsche und Empfindungen geäußert wie z.B.: „bitte komm“, „bitte bleib da“, „das tut weh“. Die verbale Kompetenz auf diesem Niveau hielt auch noch im Februar 2002 an. Weiterhin konnte die Patientin zum ersten Mal seit Jahren das Trinkglas wieder zum Mund führen und selbständig trinken. Der Appetit hat sich nach der Magnetstimulation normalisiert.
2. Behandlung eines Patienten mit schwerer cerebro-vaskulärer Demenz:
Bei einem 85- jährigen Patienten mit einer mittelgradigen Demenz kam es unter Behandlung mit rTMS zu einer wesentlichen Verbesserung der Symptomatik. Die positive Entwicklung zeigte sich in einer wieder gewonnenen Lebensfreude sowie an einem deutlich gesteigerten Interesse an der Umwelt und Zunahme der Kommunikationsfähigkeit.
Verlauf: Der Patient war zunächst in einer Rehabilitationsklinik, konnte dort aber auf Grund von Nahrungsmittelverweigerung nicht angemessen behandelt werden. Er zeigte ferner Affektlabilität mit Weinerlichkeit, Weglauftendenzen, Heimweh, Aggressivität gegenüber Fremden. Die notwendigen Pflegemaßnahmen konnten nicht angemessen durchgeführt werden. Zu Hause angekommen wirkte der Patient dann abgemagert und ausgetrocknet, war wenig mobil, verweigert die Grundpflege, war bei Hilfsmaßnahmen äußerst aggressiv, war zeitlich desorientiert, zeigte kein Interesse an verbaler Kommunikation. Der Patient war insgesamt 3 Wochen zu Hause, als die 1. Sitzung mit rTMS begann.
Nach der 3. Sitzung gab es noch keine wesentliche Veränderung. Die Angehörigen bemerkten jedoch, dass der Patient aufgeweckter und die Augen klarer wirkten.
Nach der 4. Sitzung kam es zu einem deutlich gesteigerten Interesse am Umfeld, so z.B. an den Medien, am Tagesgeschehen sowie an der Außenwelt, an Jahreszeiten und Wetter.
Nach der 5. Sitzung war der Patient auf sein äußeres Erscheinungsbild bedacht, kämmte sich die Haare, schaute sich im Spiegel an, benutzte Rasierwasser, reinigte Flecken von der Kleidung. Der Patient las weiter nun täglich Zeitung und sah fern.
Nach der 6. Sitzung bemühte sich der Patient weiterhin verbliebene Fähigkeiten zu nutzen, so wie z.B. folgende Aktivitäten im Haushalt: Geschirr wegräumen, Fensterrollos öffnen und schließen. Der Patient verspürte den Wunsch das Haus zu verlassen um z.B. ein Café aufzusuchen, obwohl er gehbehindert ist und es ihm sehr schwer fällt mobil zu sein.
Die Angehörigen bemerken nach der 7. Sitzung, dass der Patient rege an Gesprächen innerhalb der Familie teilnahm und auch über Politik diskutierte. Weiterhin interessierte ihn die Tageszeitung und Geschehnisse vor Ort. Die Angehörigen bemerkten eine Rückkehr des Kurzzeitgedächtnis insofern, dass der Patient sich an Erzählungen und Ereignisse der letzten 2 Wochen erinnern konnte, z.B. fragt er nach , wann der Badewannensitz kommen würde und wusste, dass in der Vorweihnachtszeit nun der Christkindlmarkt bevorstand. Trotzdem fehlte weiterhin die tages- und wochenzeitliche Orientierung. Insgesamt fühlte sich der Patient mehr ausgeglichen und hatte nun Freude am Leben. Er hatte seine Gleichgültigkeit im Bezug auf die Umgebung abgelegt und war sehr kommunikativ geworden.
Im Dezember kam es nun zu einer schweren Erkältung, sodass die Therapiesitzungen ausgesetzt werden mussten. Nach etwa 6 Wochen ohne Therapie kam es zu einem Abbau der wieder gewonnenen Fähigkeiten so z.B. Wiederkehr der Vergesslichkeit sowie vermehrter Rückzug in die eigene Welt, zunehmende Einschränkung der Mobilität und Aktivitäten.
Aktuelle Studien zu rTMS bei Demenz:
- Prefrontalcortex rTMS enhances action naming in progressive non-fluent aphasia
- A case report of daily prefrontal repetitve transcranial magnetic stimulation (rTMS) as an adjunctive treatment for Alzheimer disease
- Transcranial magnetic stimulation studies in Alzheimer´s Disease
- Repetitive transcranial magnetic stimulation enhances BDNF-TrkB signaling in both brain and lymphocytes
- Effects of low versus high frquencies of repetitive transcranial magnetic stimulation on cognitive function and cortical excitability in Alzheimer´s dementia
- Noninvasive brain stimulation in Alzheimers´s disease: Systematic review and perspectives for the future
- Improved language performance in Alzheimer disease following brain stimulation
- The restoration after repetitive transcranial magnetic stimulation treatment on cognitive ability of vascular dementia rats and its impacts on synaptic plasticity in hippocampal CA1 area
- Beneficial effect of repetitive transcranial magnetic stimulation combined with cognitive training for the treatment of Alzheimer`s disease: a proof of concept study