Praxis Dr. med. Oliver Seemann, Obermarkt 8, 82515 Wolfratshausen
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Was ist transkranielle Magnetstimulation (rTMS)?

Die repetitive transkranielle Magnetstimulation (rTMS) wurde in den 80er Jahren des vergangenen Jahrhunderts zunächst für Forschungszwecke entwickelt. In der weiteren Entwicklung folgten Studien hauptsächlich zum Thema Depressionsbehandlung. Das Prinzip basiert auf elektromagnetischer Induktion. Dort wo Ströme fliesen gibt es auch einen entsprechenden Magnetischen Fluss. Platziert man nun eine stromdurchflossene Spule über dem Schädel, so durchdringt das entstandene Magnetfeld den Schädel und stimuliert die Nervenzellen des Gehirnes, die ihrerseits sensibel auf Ströme und Magnetfelder reagieren und im Gefolge entsprechende Impulse weiterleiten. Zu Beginn der Untersuchungen glaubte man, dass das Magnetfeld besonders stark sein sollte, um direkt einen Stromfluss im Gehirn durch Veränderung der Membranspannungen an den Axonen (Nervenzellfortsätzen) zu induzieren, entlang derer der Strom zu den motorischen Endplatten weitergeleitet werde, wo eine Transmitterausschüttung erfolge.

Behandlung einer Patientin mit Magnetstimulation
Die positive Wirkung der repatativen Magnetstimulation auf das Gehirn

 

Durch unsere Forschungen konnte gezeigt werden, dass selbst relativ schwache Magnetfelder Resonanzphänomene auslösen und das Frequenzspektrum des Gehirnes positiv verändern und damit therapeutisch wirksam sind (Low-Intensity rTMS). Hier links ein Beispiel einer Frequenzmodulation durch schwache Magnetfelder von 200μT (vor, während und nach der Anwendung)

Neben der Veränderung des Frequenzspektrums des Gehirnes kommt es durch die rTMS zu hormonellen Veränderungen (Abbau von Stresshormonen, Freisetzung des Glückshormon Oxytocin, veränderte Immunantwort), einer verbesserten Gehirndurchblutung sowie einer Anregung von Stammzellen, welche neue Nervenzellen auszubilden.

Da zahlreiche Forscher noch dem alten Paradigma von „Viel hilft Viel“ anhängen und zudem glauben, dass spezielle Navigationsverfahren notwendig seien, ist die zu stark applizierte rTMS oft wenig erfolgreich und erzeugt dabei sogar Nebenwirkungen.

Wir waren mit die ersten Forscher, die entdeckten, dass durch rTMS das vegetative Nervensystem beeinflusst werden kann. Durch die Messung der Herzratenvariabilität (HRV) kann eine Verbesserung des Stressindex durch die rTMS nachgewiesen werden. Bei bestimmten Störungsbildern (Burn-out, Stress, Ängsten, Schlafstörungen, Autismus, Zwängen; Depression, etc.) ist die Verbesserung der HRV ein guter Indikator für die Balancierung des vegetativen Nervensystems.

Hier links ein Beispiel für eine Messung der HRV vor und nach der Low-Intensity rTMS. Schon durch eine 30 minütige Sitzung mit Low-Intensity rTMS lässt sich der Stressindex verbessern und in den „grünen Bereich“ bewegen.

Für wen ist rTMS geeignet?

Die meisten Forscher haben nur Erfahrung mit der rTMS bei der Behandlung von Depressionen. In meiner Praxis haben wir das Verfahren aber auch bei zahlreichen anderen Krankheiten und auch Gesunden untersucht und mit sehr gutem Erfolg angewendet („Off-Label-Use“). Die Privaten Krankenkassen erstatten die Kosten des Verfahresn bei Pharmakotherapie-resistenter schwerer Depression.

Wie läuft die rTMS-Behandlung ab?

Der Patient befindet sich in einer angenehmen Ruheposition und die Spule wird am Schädel platziert. Danach werden an der rTMS-Maschine die Stimulationsprotokolle eingestellt und der Stromfluss durch die Spule definiert. Die Stromimpulse selbst werden vom Patienten nur in Form eines Klickgeräusches wahrgenommen. Das erzeugte Magnetfeld durchdringt die Schädeldecke völlig schmerzfrei. Nur gelegentlich kommt es zu einem harmlosen Muskelzuckem der oberflächlichen Muskulatur. Die Sitzungsdauer variiert, beträgt aber im Schnitt ca. 30 Minuten. Nach Absprache mit dem Arzt werden die weiteren Sitzungsintervalle vereinbart.

Für wen ist rTMS nicht geeignet?

Es gelten die üblichen Kontraindikationen für therapeutische Magnetfelder, also z.B. Schwangerschaft, Herzschrittmacher, schwere Hirntraumen, Metallteile im Gehirn, etc. Wobei es sich meines Erachtens oft um relative Kontraindikationen handelt, die im Einzelfall abgeklärt werden sollten.

Welche Alternativen gibt es zur rTMS?

Die Erfolgswahrscheinlichkeit der rTMS, z.B. zur Reduktion von depressiven Symptomen, beträgt bei individuellem Therapiekonzept bis zu 90%. Sicher gibt es noch andere gute Verfahren (Psychopharmaka, Psychotherapie, EKT, Ketamin, etc…), doch ist die rTMS mein persönlicher Favorit, aufgrund der sehr guten Verträglichkeit, der hohen Effizienz (z.B. bis zu 90% Wahrscheinlichkeit der Reduktion depressiver Symptome) in der Hand des Erfahrenen und der oft raschen Wirksamkeit.

Welche Nebenwirkungen hat rTMS?

Seit 18 Jahren wird das Verfahren in meiner Praxis angewendet. Nennenswerte Nebenwirkungen sind Kopfschmerz und Benommenheit, die milde sind und allenfalls von kurzer Dauer.